AUFSCHIEBERITIS

Dinge auf die lange Bank schieben


Definition / Explikation

"Aufschieberitis" wird in der Fachwelt "Prokrastination" genannt.
Vom lateinischen Substantiv procrastinatio stammend - heisst so viel wie „Aufschub“, "Vertagung".

„Extremes Aufschieben“ ist eine pathologische Störung, die durch ein unnötiges Vertagen des Beginns oder durch Unterbrechen von Tätigkeiten/Aufgaben gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen nicht oder nur unter Druck zustande kommt.

Im Folgenden sind typische prokrastinationsfördernde Bedingungen und Gründe für Aufschieberitis aufgeführt.
Siehe Download.

Download
Erklärungsmodell_Prokrastination_V200722
Adobe Acrobat Dokument 164.5 KB


Empfehlung

Viele Aufschieber kriegen ihre kleinen „Vertagungen“ zwar irgendwann wieder in den Griff, andere jedoch nicht: Sie sind aber nicht besonders faul, sondern haben eine psychische Arbeitsstörung.

Verschieben von Aufgaben kann Unlust oder sogar Angst auslösen. Solche Gefühle erschweren das Anpacken und das Erledigen der Dinge noch viel mehr. Oft entsteht ein Teufelskreis. Wiederholt wird ein Vorsatz zu einem bestimmten Zeitpunkt gefasst, den man erneut verstreichen lässt. Das produziert gehörigen Druck.

 

Erstens: Zerlegen Sie Aufgaben in mehrere einzelne Schritte.

Versuchen Sie Aufgaben in kleine Einzelschritte zu zerlegen. Kleine Portionen! Niemand erklimmt einen hohen Berg in einer Etappe. Wer füllt schon gerne die Steuererklärung aus? An Stelle des Aufschiebens können sie zwei bis drei Etappen für das Ausfüllen der Steuererklärung terminieren. Unterlagen zusammensuchen – die einfacheren Fragen ausfüllen – die aufwendigeren Formulare bearbeiten.

 

Zweitens: Geben Sie der Aufgabe eine Struktur.

Besonders erfolgreiche Methoden sind dabei die Strukturierung des Arbeitsverhaltens, das Setzen realistischer Ziele und ein positiver Umgang mit Ablenkungsquellen und negativen Gefühlen. Systematisches Üben mit alternativem Arbeitsverhalten soll das „Aufschieben“ Schritt für Schritt abbauen.

 

Drittens: Lassen Sie gute Gefühle entstehen.

Organisieren Sie sich gut, setzen sie Prioritäten. Perfektionismus oder Ängste können unangenehme Gefühle entstehen lassen, die den „Aufschieber“ von einer Aufgabe abhalten.

Lassen Sie aufgrund guter Arbeitseinteilung (Planung) kein "Aufgabenberg" entstehen. Schätzen Sie Zeit und Umfang richtig ein. Und lassen Sie gute Gefühle zu: stellen Sie an sich selbst nicht zu hohe Erwartungen. Planen Sie Reserve- und Freizeitfenster mit ein.

Bei Aufschiebern kann auch die Überzeugung zugrunde liegen, dass Arbeit nur dann nützlich oder gewinnbringend ist, wenn man in der „richtigen Stimmung“ dazu sei. Na ja, da könnte die Steuerverwaltung noch lange auf meine Steuererklärung warten.


Fazit

Eine allgemeingültige Ursache für häufiges oder chronisches Aufschiebeverhalten ist mir nicht bekannt. Eher im Gegenteil;  Gründe für ein Aufschieben der Aufgaben können aus verschiedensten Richtungen stammen.

Aufschieberitis tritt häufig auf, wenn die Betroffenen unter Versagens- oder Kritikängsten leiden. Sie gelten in solchen Situationen lieber als faul denn als unfähig bestimmte Aufgaben, beispielsweise den nächsten Mathe-Test, zu bestehen. Im Prinzip ist Aufschieberitis nichts anderes als eine Verzögerungstaktik – mit einem Haken: Man täuscht nicht andere, sondern sich selbst. Und ist sich dessen auch noch vollkommen bewusst. Die Selbstkritik führt zu Druck und dieser wiederum zum Selbstwertverlust.


Aufschieberitis:

ein Thema in einem meiner Workshops

 

Sei es eines der Themen wie

"Hausaufgaben-Knatsch", "Null-Bock-Stimmung" oder "Selbständig lernen";

Aufschieberitis ist oft Bestandteil davon.

In welchem Kontext sich der Workshop gestaltet, bestimmen die Workshop-Teilnehmenden.
Das scheint mir wichtig, denn schliesslich möchte ich ja auf die Bedürfnisse der Teilnehmenden eingehen können.